Der Knall einer gewaltigen Explosion lässt das Surround-System röhren, Blitze zucken über den Monitor, Gebäudeteile stürzen effektvoll unter eine riesigen Staubwolke ein, Flammen und aufsteigender Rauch mischen sich zu einem optisch imposanten Schauspiel, das den Detailgrad des opulenten Shooter-Augenschmauses Far Cry (dt.) noch toppt und eher an einen Hollywood-Streifen als ein Computerspiel erinnert.
Derartiges gab es bis dato nirgends zu sehen. Kein Wunder, dass Cryteks Technical Director Cevat Yerli von "Videorealismus" spricht, wenn es um die Darstellungskraft der Cry-Engine 2 geht. Die Grenzen des Fotorealismus schienen bereits beim Vorgänger ausgereizt. Nachdem sich der aus Far Cry bekannte Protagonist Jake Dunn den Weg aus dem flammenden Inferno gebannt hat, findet er sich auf einem riesigen Häuserdach wieder.
Zur linken Seite wirft der Mond sein Licht auf physikalisch korrekt schwappende Meereswellen, zur rechten schleudert ein baumhoher Alien Feuerkugeln und Raketen auf uns. Mit einem Hechtsprung retten wir uns hinter einen Haufen brennenden Unrat. Während ein Team-Kollege Feuerschutz gibt, attackieren wir die Bestie mit unserem Raketenwerfer - was sie wild schnaubend registriert und mit einem Gegenangriff beantwortet. Dieses Mal können wir nicht mehr rechtzeitig ausweichen und würden eigentlich in einem riesigen Feuerball verenden - doch der God-Mode bewahrt uns vor dem frühzeitigen Exitus.
Der dynamische Held
Schnell weiter, bevor der gigantische Boss-Gegner zum nächsten Angriff ausholt. Jetzt kommt der so genannte Nano Muscle Suit zum Einsatz. Der wirkt auf den ersten Blick wie ein viel zu schwer geratener Körperpanzer, ist laut Yerli aber die "größte Innovation und wichtigste Neuerung von Crysis. Die Idee dahinter stammt aus den Forschungszentren der US-Army, welche wir übernommen und angepasst haben. Crysis ist dadurch der erste Action-Titel mit einem dynamischen und frei konfigurierbaren Helden." Ein Tastendruck aktiviert eine Art Turbo-Modus, mit dem wir kurze Strecken in null Komma nichts zurücklegen - genial!
Ein weiterer Mausklick injiziert unserem von den Alien-Angriffen geschundenen Körper Medizin, die den Gesundheitsbalken auffüllt und ihn beweglicher und reaktionsschneller macht. Für all diese Aktionen verbraucht der Nano Muscle Suit Energie, welche sich nach und nach jedoch regeneriert. Vor der nächsten Attacke schalten wir unseren Schutzschild ein und nehmen das tentakelähnliche Ungetüm mit einem modifizierten Raketenwerfer aufs Korn.
Dank Zielfunktion treffen wir punktgenau, der außerirdische Invasor richtet sich noch einmal auf und sinkt dann krachend wie ein einstürzendes Hochhaus zusammen. Staub und Steine fliegen durch die Luft, Risse ziehen sich bedrohlich durch den Beton bis zu unseren Füßen. Im Hintergrund vernehmen wir eine neuerliche Explosion, während wir über Jakes Kopf Geräusche eines Helikopters vernehmen. Bevor wir uns umdrehen können, ist der Bildschirm schwarz und der erste Appetithappen von Crysis vorbei - was für eine Vorstellung!
Hawaii-Hemd ade?
Wer bei obiger Schilderung verzweifelt Zeile für Zeile nach den Wörtern "Dschungel" oder "Urwald" suchte, braucht nicht in Panik zu verfallen. Natürlich spielt auch Crysis auf einem tropischen Eiland, aber nicht ausschließlich. "Wir haben uns extra dafür entschieden, bei der ersten Präsentation keinen Dschungel-Level zu zeigen. Dass wir das können, wissen die Leute. Dass wir auch effektreiche Schlachten mit riesigen Aliens in einer völlig anderen Umgebung darstellen können, wussten die Leute bisher nicht", berichtet Cevat Yerli nicht ohne Stolz.
Damit sich die Hawaii-Hemd-Heroen des Vorgängers gleich heimisch fühlen, spielt der erste des in drei Akte unterteilten Action-Krachers auf einer paradiesischen Insel mit üppiger Vegetation. Dank der leistungsstärkeren Cry-Engine 2 wirkt das gesamte Setting noch realistischer. Interaktivität wird im ganzen Spiel groß geschrieben und da wundert es nicht wirklich, dass etwa jedes Objekt über einen in Echtzeit berechneten Schatten verfügt, der sekündlich weiter über den Boden wandert - je nach Stand von Sonne und Mond.
Außerdem wird jedes einzelne Polygon der Flora individuell vom Wind beeinflusst. Ein weiteres Beispiel für die Interaktion mit der Umwelt führt Yerli an: "Schleicht man durchs Dickicht und knickt dabei Grashalme oder sonstiges Gestrüpp um, wird das die KI früher oder später entdecken und Alarm geben. Genau so ist es möglich, einen Baum zu fällen und mit ihm jemanden zu erschlagen."
Neue Eiszeit
Die Story von Crysis, das nur für den PC entwickelt wird, soll sehr viel fesselnder als die des Vorgängers sein. "Dafür arbeiten wir mit professionellen Drehbuchautoren zusammen", erklärt Yerli. Und so liest sich die Geschichte aus deren Feder: Auf eine Südseeinsel kracht in nicht allzu ferner Zukunft ein unbekanntes Flugobjekt. Nach bisherigen Erfahrungswerten kann es sich nicht um einen Asteroiden handeln, denn auf Satellitenbildern taucht kein Krater auf.
Nordkorea und China ist das ganze nicht geheuer, weswegen sie Flottenverbände in die Region entsenden. Das macht wiederum die USA nervös, die ihrerseits zwei Flugzeugträger zu dem Eiland schicken. Alsbald ist klar: Hier ist kein Asteroid, sondern ein Raumschiff gelandet. Die außerirdischen Invasoren planen, die gesamte Erde einzufrieren und wollen genau hier damit anfangen.
Um das zu verhindern, müssen sich die politischen Erzfeinde wohl oder übel verbünden und die Eindringlinge eliminieren. Im zweiten Akt des Spiels lernen Sie die Alien-Nemesis kennen und stoßen ins Innere des Mutterschiffes vor. Im dritten Akt schließlich klemmen Sie sich hinter den Steuerknüppel eines Kampflugzeugs und attackieren die ungebetenen Besucher aus der Luft. Die Inspiration für dieses furiose Finale lieferte den Entwicklern eine nächtliche Top Gun-Filmsession.
All dies erledigt Jake Dunn nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern als Mitglied einer Spezialeinheit. Seine KI-Kollegen kann er jedoch weder befehligen noch steuern. Auf Zwischensequenzen und nervige Ladezeiten verzichtet Crysis gänzlich, der Spieler erlebt alles live und hautnah mit. Wenn bedeutende Charaktere sterben, beeinflusst dies die weiterführende Story maßgeblich und im Bruchteil einer Sekunde.
Verschiedene Munitionstypen
"Auch bei den Waffen haben wir uns eine Neuerung ausgedacht", erzählt Yerli. Die sind nicht nur beliebig modifizierbar, sondern bieten zudem verschiedene Munitionsarten. Neben dem klassischen Geschoss, das den Gegner tötet, gibt es Betäubungsmunition, die Kontrahenten für einige Augenblicke ausschaltet: "Praktisch: Ich kann vier Gegner markieren und alle gleichzeitig per Knopfdruck betäuben und kampfunfähig machen." Außerdem ist es möglich, Gegner zu orten. "Wir nennen das lebende Wegpunkte", so Yerli. Dazu feuert man eine GPS-Kugel auf Soldaten oder Hubschrauber, anschließend sieht man auf dem Radar, wo sich das Zielobjekt befindet.
Konkurrenzlos gut
Aufgrund der spielerischen Freiheit und der non-linearen Story besitzt der gut zehn Stunden lange Solo-Part von Crysis einen hohen Wiederspielwert. Dennoch hat sich Crytek auch für den Mehrspielermodus einiges einfallen lassen. Glaubt man Cevat Yerli, wird sich das Deathmatch aufgrund der taktischen Varianten durch den Nano Muscle Suit massiv verändern und von dem anderer Spiele unterscheiden.
Etwas ganz Neues verspricht er beim anspruchsvollen Power-Struggle-Modus, einer Art Capture the Flag mit WiSim-Komponente und verschiedenen Klassen. Nähere Details hierzu will man aber noch nicht preisgeben - die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Obwohl Crysis diese gewiss nicht zu fürchten braucht, so perfekt wie der Ersteindruck ist.
Screenshots
Videos zu Crysis
Crysis Fly through
Crysis Walk through
Crysis DirectX 10 Trailer 1
Crysis DirectX 10 Trailer 2
New Crysis Gameplay Video 1
New Crysis Gameplay Video 2
Spiele-Info
Name:
Crysis
Genre:
Ego-Shooter
Entwickler:
Crytek Studios GmbH & Co. KG
Publisher:
Electronic Arts GmbH (DE)
Webseite
Crysis-Game.com
Veröffentlichungstermin:
3. Quartal 2007
Preis:
keine Angabe
Vergleichbar mit:
Far Cry (dt.)
Far Cry: Jurassic Park-Mod
Half-Life 2
Quelle: PC Games Online, Crytek
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